Ulcinj (ausgesprochen: Uol-tsin) ist die südlichste Stadt Montenegros und liegt direkt an der Grenze zu Albanien. Anders als die venezianisch geprägten Städte Kotor oder Budva besitzt Ulcinj einen ausgeprägten osmanischen und albanischen Charakter und zählt damit zu den kulturell einzigartigsten Orten an der Adria.
Geschichte: Piraten und Legenden
Ulcinj ist eine der ältesten Siedlungen an der Adria und blickt auf eine über 2.500-jährige Geschichte zurück.
Die Piraten von Ulcinj: Während der osmanischen Ära (ab 1571) wurde die Stadt zu einem berüchtigten Piratenstützpunkt. Lokale Korsaren beherrschten die See und handelten sogar mit Sklaven auf dem Sklavenplatz (Trg Robova) in der Altstadt.
Cervantes und Don Quijote: Der Legende nach wurde der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes hier fünf Jahre lang von Piraten gefangen gehalten. Man vermutet, dass seine Romanfigur Dulcinea nach dem italienischen Namen der Stadt, Dulcigno, benannt wurde.
Sabbatai Zevi: Der selbsternannte jüdische Messias wurde im 17. Jahrhundert hierher verbannt und soll in der Altstadt begraben sein.
Natur & Strände
Während der Norden Montenegros felsig ist, ist Ulcinj für seine langen, feinen Sandstrände bekannt.
Velika Plaža (Langer Strand): Mit 13 km Länge ist er der längste Sandstrand an der Adria. Der mineralreiche Sand wird häufig für die Sandtherapie zur Behandlung von Rheuma eingesetzt.
Ada Bojana: Eine dreieckige Flussinsel, wo der Fluss Bojana ins Meer mündet. Sie ist ein weltbekanntes FKK-Resort und ein Zentrum für alternatives Wohnen in Flusshäusern.
Ulcinj Salina (Solana): Eine ehemalige Saline, die heute eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Europas ist. Sie beheimatet über 250 Vogelarten, darunter wilde Flamingos und Pelikane.
Valdanos-Bucht: Eine hufeisenförmige Bucht, umgeben von einem uralten Olivenhain mit über 80.000 Olivenbäumen, von denen einige über 800 Jahre alt sind.
Typische Gerichte (Die „Ulcinj-Küche“): Die Küche hier ist eine Mischung aus mediterranen Meeresfrüchten und orientalisch-albanischen Einflüssen.
Meeresfrüchte: Frisch gefangener Wolfsbarsch, Goldbrasse und Miesmuscheln nach Buzara-Art (in Weißwein und Knoblauch gekocht).
Bojana-Fisch: Probieren Sie den einzigartigen Flussfisch aus der Bojana, der oft gegrillt in den traditionellen Pfahlbauten (Kalimeras) am Flussufer serviert wird.
Orientalische Süßspeisen: Dank des starken osmanischen Einflusses gibt es in Ulcinj das beste Baklava, Trilece (Drei-Milch-Kuchen) und Tulumbe des Landes.
Bamija (Okra): Ein traditioneller, langsam gekochter Eintopf mit Fleisch und Okra, typisch für die albanische Gemeinde vor Ort.
Aktivitäten & Festivals
Kitesurfen: Velika Plaža ist dank des beständigen Maestralwinds der beste Kitesurfspot auf dem Balkan.
Erkundung der Altstadt: Schlendern Sie durch die steilen, engen Gassen der Stari Grad, die auf einer Klippe mit Blick auf das Meer thront.
Sommerszene (Ljetnja Scena): Ein Kunstfestival, das im August in der Altstadt stattfindet und Theater, Musik und Folklore bietet.
Southern Soul Festival: Ein beliebtes Musikfestival, das Ende Juni am Strand stattfindet und sich auf Soul, Jazz und Funk konzentriert.
Beschreibung & Atmosphäre: Ulcinj wirkt wilder und weniger mondän als der Rest der Küste. Hier wird mehr Albanisch als Montenegrinisch gesprochen, Minarette stehen neben Kirchtürmen, und der Lebensrhythmus ist gemächlicher und entspannter. Ulcinj ist ein Ort für Abenteurer, Vogelbeobachter und alle, die sandige Horizonte steinigen Fjorden vorziehen.